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Am Anfang war das Konzert: Im Umkreis von Fürstenfeldbruck trafen sich ein paar junge Musiker in ihrer Stammkneipe. Obwohl sie aus sehr unterschiedlichen Bands und Stilrichtungen kamen, keimte bei den Freunden der Wunsch auf, ihre verschiedenen Instrumente von Flöten und Geigen bis hin zu E-Gitarren vereint erklingen zu lassen. Obwohl nur ein einziges Kneipenkonzert mit Folk-Klassikern geplant war, packte die Truppe der Ehrgeiz. So entstand, neben anderen Stücken, mit „Das Teufelsweib“ der erste Schandmaul-Song. Die „Schnapsidee“ erwies sich als Volltreffer. Vor zweihundert begeisterten Zuschauern spielten Schandmaul ihre erste Show und der originelle Mix aus Folklore und Rock stieß auf hundertfache Wünsche nach einem Tonträger. Sofort ging die frisch gebackene Band an die Aufnahmen von „Wahre Helden“ (1999). Ihre Mischung aus traditionellen Songs und eigenem Material verkaufte sich im eigenen Landkreis derartig gut, dass bald zahlreiche Anfragen nach Auftritten aus der ganzen Münchner Umgebung eingingen. „Wir wären bescheuert gewesen, nicht mit Schandmaul weiter zu machen“, erinnert sich Sänger Thomas. Über 3000 Alben gingen nur mit Hilfe von Mundpropaganda und Konzerten an die stetig wachsende Fanschar.
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Voller Tatendrang nahm die Band ihr zweites Album „Von Spitzbuben und anderen Halunken“ (2000) auf, welches nahtlos an den Erstling anschloss. Mit dem wachsenden Erfolg sahen sich die Süddeutschen plötzlich mit Vergleichen zu Subway to Sally oder In Extremo konfrontiert: „Ich hörte mir erstmals deren Alben an und fand sogar Ähnlichkeiten wie die Verwendung von Dudelsäcken mit rockiger Musik. Aber da hatten wir unseren eigenen Stil entwickelt“, meint Thomas Lindner. Dennoch wurden Schandmaul fortan meist mit der „Mittelalter“-Szene in Verbindung gebracht. Die Plattenfirmen reagierten noch zurückhaltend. Lediglich ein Schlager-Label meldete sich, forderte aber eine „Anpassung der Musik an kommerzielle Gesichtspunkte“. Schandmaul lehnten dankend ab und suchten sich lieber eine Konzertagentur.
Erneut standen die Live-Aktivitäten im Vordergrund. Bei nächtlichen Fahrten im Sprinter-Bus durch die Republik zahlte die junge Band kräftig Lehrgeld. Schandmaul spielten bei jeder sich bietenden Gelegenheit und ihr Erfolg erregte endlich die Aufmerksamkeit der Label. Bald war der erste Plattenvertrag unterschrieben und Produzent Thomas Heimann-Trosien mischte „Von Spitzbuben und anderen Halunken“ neu ab. Im Jahr 2001 kam das überarbeitete Album erneut heraus und erzielte auf Anhieb große Achtungserfolge. Mit ihrem Produzenten Thomas Heimann-Trosien und seinem Partner Ekkehart Strauss im Rücken waren Schandmaul bereit für den nächsten Entwicklungssprung. Ihr drittes Studiowerk „Narrenkönig“ (2002) offenbarte erstmals das wahre Potential der Süddeutschen und stieg bis auf Platz 70 der Charts. Auch die großen Festivals wurden aufmerksam und bald folgten Einladungen zum M'era Luna, Wave Gotik Treffen oder Zillo-Festival. Nun ging es mit einem Nightliner quer durch Deutschland. Schandmaul und die Bühne blieben unzertrennlich. Die Band war gut eingespielt und hielt ihre bestechende Form erstmals gleichzeitig auf CD und DVD fest. Vor achthundert feiernden Anhängern im Münchner Backstage wurde „Hexenkessel“ (2003) aufgenommen. Herzblut und Enthusiasmus zahlten sich aus: „Hexenkessel“ kochte bis auf Platz 52 der Charts hoch. Ein Schlüssel für Schandmauls raschen Erfolg lag in ihrer großen Fan-Nähe: „Es bleibt für uns eine wichtige Tradition, nach jedem Konzert draußen mit den Leuten zu reden oder Autogramme zu geben“, bestätigt Thomas.
Kurz nach der „Narrenkönig“-Produktion hatte ein Besetzungswechsel weitreichende Folgen. Bassist Hubert Widmann wurde nach Differenzen durch Matthias Richter ersetzt, der das Spektrum durch seine Spielkunst erheblich erweiterte. Durch die gemeinsamen Touren zur engen Einheit verschmolzen, übersprangen Schandmaul mit Studioalbum Nr. 4 „Wie Pech und Schwefel“ einige Stufen auf der Leiter. Gereift und mit druckvollem Sound, erklomm das Album einen stolzen Platz 13 in den Charts. Gleichzeitig machte die Band einen großen Schritt aus der „Mittelalter-Sackgasse“ , wagte mehr Härte und öffnete sich für neue Einflüsse aus dem Funk oder sogar Pop – ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Die Fans dankten es ihnen, indem sie auf Tour ganze Hallen füllten. Während der folgenden Tourneen feilte die Band eifrig an neuem Material. Doch bald zeigte sich, dass der nächste Schritt mehr Zeit und Überlegung erfordern würde. Ein spontaner Akustik-Auftritt bei einem Fantreffen lies die Idee zu einem Unplugged-Konzert aufkommen. Dabei reichte es Schandmaul keineswegs, bloß den Stecker aus der Dose zu ziehen. Stattdessen arrangierten die Süddeutschen neun Monate lang eine Auswahl ihrer populärsten Stücke um, und schrieben eine sechshundert Seiten lange Orchesterpartitur. Das Konzert mit Streicherorchester im Zirkus Krone geriet zum Triumph und kletterte als Live-Album „Kunststück“ (2005) auf einen sensationellen Platz 12 – in Form der DVD sogar auf den dritten Rang der Charts hoch. Nach ihrer ausverkauften Tournee mit dem „Kunststück“ zogen sich Schandmaul zu einer Klausur auf die Runneburg im thüringischen Weißensee zurück. Dort kristallisierten sich siebzehn neue Songs heraus, die ihren Weg auf das neuste Album „Mit Leib und Seele“ (2006) fanden.
Das Warten hatte sich wirklich gelohnt und dabei sollte sich niemand wundern, dass Schandmaul „Mit Leib und Seele“ die Sprossen ihrer Erfolgsleiter erneut furios hinauf stürmten. Durchdachte Arrangements, ausgefeilte Songs und eine sorgfältige Anordnung lassen „Mit Leib und Seele“ zweifellos zum reifsten Werk der Münchner werden. Schandmaul sind erwachsen geworden. Ohne ihre spritzige Frische zu verlieren, bringen die Folk-Rocker ihre alten Stärken und jahrelange Erfahrungen voll zur Entfaltung: Instrumental mit markanten Gitarren zwischen sanftem Schmeicheln und kraftvollen Krachen, elegant arrangierten Flöten und Dudelsäcken, exotischen Drehleiern und Schalmeien. Dazu erzählt Thomas Lindners vertraute Stimme singend metaphorische Geschichten aus der Welt des Phantastischen. Doch nun trauen sich Schandmaul obendrein ebenso an funkige und jazzige Einschübe wie klassische Heavy Metal-Soli heran. Mit dieser Vielfalt hat sich die Band aller Schranken entledigt.
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